Rrring!

Rrrrrrring!

Ich drehe mich verstört auf die andere Seite.

Rrrrrrrrrring!

Was soll denn der Scheiß?!

Rrrrrrrrrrrrrrrrring!

Ich wache auf und schlag wie behämmert auf meinen Wecker ein.

Endlich Ruhe.

Welcher Idiot hat denn bloß den Wecker sonntags auf 6.12 h gestellt?!

Benommen dreh’ ich mich wieder auf die andere Seite und schlummere mich gemächlich zurück ins Land meiner Träume.

Vogelgezwitscher.

Tschiep tschiiiiep tschiiiiiiiep tschiep tschiiiiiiiiiep! Tönt es immerfort in ständig ansteigender Lautstärke.

Der einst liebliche Vogelgesang beginnt mich an die Geräuschkulisse meines letzten Tinitus zu erinnern.

Und er hört nicht auf.

Ich fingere nach der Packung Oropax auf meinem Nachtschrank. Kann sie jedoch nicht finden und so muss mein Kopfkissen als Lärmschutzwand hinhalten.

Während ich noch die perfekte Kopfkissen-Lärmschutzwand-Position suche höre ich Schritte. Klingt nach Stöckelschuhen auf Marmorboden denke ich. Denke mir sonst aber nichts weiter dabei bis mein Nichtdenken von einer schonungslos aufgerissenen Tür und dem ungedämpften Klang der Stöckelschuhe auf Marmorboden unterbrochen wird. (An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich Menschen, die Türen nicht leise öffnen oder schließen können, zutiefst missachte und mein Gesicht diese tiefe Abneigung auch nicht zu verbergen vermag.)

Nachdem sich der Schlafschleier meiner Augen gelüftet hat sehe ich eine Frau mittleren Alters im Sekretärinnen- Style in der Tür meines Schlafgemaches stehen. Ich wundere mich noch über die Gestaltung meines Zimmers (lichtdurchfluteter, hoher Raum mit Holzparkett, riesigen Fenstern und offensichtlich angrenzender Terrasse sowie großem Badezimmer) als mich die quäkige Stimme, die offensichtlich aus dem Mund der in- meiner- Tür- stehenden- Dame kommt, darauf aufmerksam macht, dass es doch schon halb sieben sei und dass das Shuttle zwar auf mich warte, nicht aber die Herren in Madras.

Ich bin verwirrt. Sie sieht mir das wahrscheinlich an. Denn nun kommt die Dame verständnisvoll in mein Zimmer, räumt einige Sachen beiseite und erzählt dabei in einem fort.

„Sie haben heute ein Treffen mit den Agrarvorstandsvorsitzenden in Madras. Die wollten bei ihrem Projekt mitwirken und wollen nun die genaueren Konditionen verhandeln.

Sie haben doch gestern Abend noch mit Ihnen telefoniert. Erinnern Sie sich denn nicht mehr?” Die Dame neigt ihren Kopf zur Seite und belächelt mich mit diesem „Ach- du – kleines- Dummerchen- pseudo- verständnisvollem”- Lächeln. Ich hasse es! Und natürlich weiß ich noch genau wo ich gestern Abend war: volltrunken in Berlins Clubs. Dass ich dabei telefoniert habe, halte ich für möglich, dass ich ein Geschäftstreffen in Madras vereinbart habe, jedoch für relativ unwahrscheinlich. Bin ja schließlich noch Student. Was soll ich da in Hinterindien?!

Naja, was soll’s, denke ich mir und wuchte mich aus meinem Bett. Meine Knochen knacksen. War ‘ne kurze Nacht. Ich räkele und strecke mich und trete an eines der überdimensionierten Fenster. Und was ich dann sehe raubt mir schier den Atem…

to be continued…

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