Einmal Blasen,bitte!

Juli 21, 2008

Es ist ja allgemein bekannt, dass eine der Lieblingsportarten des Deutschen im Urlaub und am Strand der Volleyball ist. Manche beherrschen es gut, manche weniger gut. Unsere Reisegruppe gehörte zu den erstgenannten.

Wir waren immer noch auf den idyllischen Malediven, genossen die Sonne, das Wasser und das süße Nichtstun, als uns hinter einem Busch ein Einheimischer auflauerte. „Pssst! Psssssst!“, tönte es aus dem Busch. Wir drehten uns schlagartig um. „Ich habe gesehen: Ihr habt heute am Strand Volleyball gespielt“ Wir nickten. „Habt ihr vielleicht Lust mal ein Trainingsspiel gegen unsere Inselauswahl zu machen?“ Wir nickten weiter. „Gut. Dann treffen wir uns morgen um drei auf unserem Platz. Da müsst ihr ein bisschen ins Inselinnere laufen. Wir dürfen nicht direkt am Strand spielen“ Gesagt, getan. Nachdem der Vormittag wie im Fluge verstrichen war machten wir uns in leichter Bekleidung auf ins Inselinnere. Als unsere Gruppe den Sportplatz erreicht hatte waren wir verwundert. Die Einheimischen trugen alle Sportschuhe. „Komische Typen! Seit wann spielt man auf Sand denn mit Schuhen. Na auf die ist die Beach- Welle wohl noch nicht übergeschwappt“, frotzelten wir, aber der Spott hielt nicht lange an. Wir waren mit zehn Spielern gekommen und allein schon nach dem ersten Satz fiel die Hälfte unserer Mannschaft verletzungsbedingt aus. Warum? Sagen wir es mal so: Die Einheimischen hatten schon ihren Grund dort mit Turnschuhen zu spielen. Die Sandschicht des Platzes war nämlich gut und gerne nur zwei Zentimeter dick und darunter befand sich steinharter Boden, sodass die Hälfe unseres Teams nach dem ersten Satz keinen Schritt mehr ohne Schmerzen wagen konnte, weil sich an der Fußsohle übelste Blasen gebildet hatten.

An diesem Tag gingen wir alle humpelnd und unter dem Gelächter der Inselauswahl zurück in unsere Bungalows.

Seichtes Meerrauschen, eine kühle Brise, schwingende Palmenblätter, türkisblaues Wasser und: ihr eigener Strandabschnitt. Sie kamen, sahen und waren begeistert von der Idylle der maledivischen Inselwelt. Das kleine Eiland, das sie für 2 Wochen ihr zuhause nennen durften trug den Namen „Kuramati” und schon bei dem Blick aus dem Flugzeugfenster waren sie von dieser wie-viele-kleine-mit-Petersilie-bestreuten-Spiegeleier-aussehenden-Inselwelt verzaubert.

Picassso

Picassso

Nun waren die Malediven für ihre wunderschöne Unterwasserwelt bekannt und so machte sich die Familie sofort daran ihre Schnorchel-Ausrüstung auszupacken, um das Hausriff zu erkunden. Das Schnorchelatmen hatten sie schon in der heimischen Badewanne geübt; Das antrekken der Flossen sollte kein größeres Problem darstellen. Der Vater war schon im Wasser und gut 20 Meter vom sicheren Ufer entfernt, als auch klein Marie endlich bereit war. Sie watschelte ins Meer, tauchte mit dem Köpfchen unter Wasser und rannte schreiend wieder raus. Am Ufer stand ihre Mutter und lächelte. Klein Marie stand schwer atmend und ungläubig aufs Meer starrend neben ihr. „ Da war ein Fisch … und er ist ganz schnell auf mich zugeschwommen und wollte beißen …” Die Mutter lächelte. „ Wie groß war denn der Fisch?”-„Weiß nicht”. Die Mutter setzte nun ihre Schnorchelbrille auf und ging ins Wasser um Ausschau nach dem Seeungeheuer zu halten. Nach wenigen Sekunden tauchte sie wieder mit den Worten „Ach Gott, Mariechen! Der ist ja gerade mal so groß wie deine Hand. Der hat doch viel mehr Angst vor dir als du vor ihm haben müsstest. Der kommt immer nur ganz schnell bis an deine Brille rangeschwommen, weil er dich begrüßen möchte” wieder auf. Sie lächelte immer noch und kam nun wieder aus dem Wasser heraus, um Klein Marie Geleit zu geben. Auf einmal fing sie an zu hüpfen und zu springen und rannte schnurstracks hinaus aus dem Höllenmeer. Ihre Ferse blutete. Der „nur- handgroße- viel- mehr- Angst- vor- Marie- habende”- Fisch hatte sie gebissen. Klein Marie grinste.

Nach einigen Tagen stellte sich heraus, dass der besagte Fisch dort ein Gelege hatte und dieses anscheinend nur zu verteidigen suchte. Es war ein Drückerfisch, der den edlen Namen „Picasso” trug.

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