Einkaufen

Oktober 1, 2008

Es gibt zwei Möglichkeiten einzukaufen: Entweder man besucht die vollen, engen Basare, oder man geht in die hochmodernen, riesigen Malls. Auf Basaren kann man handeln. Die Qualität der Waren ist fraglich und besucht man sie tagsüber hat man kaum eine Chance bis zum jeweiligen Warenstand vorzudringen geschweige denn gegen die lauten, leiernden Stimmen der anderen kaufwütigen Anwesenden anzukommen. In Indien muss man sehr aggressiv sein. Sei es beim Autofahren, beim Anstehen in einer Schlange, im Wartezimmer eines Arztes oder beim Warten auf eine Umkleidekabine. Zollt man den in Deutschland üblichen „Diskretionsabstand“ oder wartet man auch nur bis der Vordermann den jeweiligen Ort in gebührendem Abstand verlassen hat, hat man verloren! Sobald der Vorgänger auch nur andeutet, dass er bereit ist zu gehen, sei es durch eine veränderte Fußstellung oder das Knirschen beim Hervorschieben eines Riegels, muss man ohne zu zögern sich auf den Ort des Begehrens stürzen um wenigstens eine geringe Chance zu haben als nächster dran zu sein. Böse, abwertende Blicke, Kraftausdrücke und Ellenbogeneinsatz können zum Erreichen des Zieles behilflich sein.

Geht man in die riesigen Einkaufszentren zum Shoppen findet man weitere Besonderheiten. Zum einen passiert man beim Betreten des Einkaufszentrums die von den Flughäfen bekannten „Beeper“. Sie sollen vor Mitbringen von Waffen oder Einschmuggeln von Bomben schützen. Tun sie aber nicht. Nicht, weil sie nicht piepen, sondern weil das Securitypersonal jegliche Pieptöne ignoriert. Vor allem bei Frauen. So piept das Ding jedes mal wenn ich da durch gehe wie verrückt und ich schaue jedes Mal fragend zu den Security- Typen rüber, aber es passiert nix. Also schlendere ich als eventueller Märtyrer genüsslich durch die Einkaufspassage.

Hat man sich dann entschieden in einen der unzähligen Läden etwas käuflich zu erwerben, geht das nächste Prozedere los. Man kauft nicht einfach nur die Ware, bekommt sie eingepackt und geht. Nein, weit gefehlt! Man kauft eine Ware und bekommt sie eingepackt und zusätzlich zwei Kassenzettel. Sobald man dann versucht den Laden zu verlassen wird man gestoppt als sei man ein Schwerverbrecher, denn: man hat vergessen nach der Zahlungsabwicklung auf die gegenüberliegende Seite des Ladens zu gehen um dort noch einmal die Waren vor einem weiteren Security- Typen auszupacken, mit dem Kassenzettel abzugleichen, einen Kassenzettel dazulassen und erst dann den Laden zu verlassen.

Als wir letztens in das Taj Mahal Museum gehen wollten passierte etwas ähnliches. Ich ging durch die Eingangstür. Am Ende der Eingangstür saßen beidseitig zwei Männer und grinsten mich an. Ich sagte ich wolle Eintrittskarten kaufen. Der eine gab mir ein blaues Abrisszettelchen woraufhin ich mich munter ins Museum stürzen wollte, doch plötzlich hörte ich hinter mir wildes Geschrei. Ich drehte mich um und sah in die lächelnden Gesichter der beiden sich gegenübersitzenden Männer. Nun wies der, bei dem ich das blaue Abrisszettelchen gekauft hatte darauf hin, dass ich diesen doch bitte bei dem anderen, 1m-entfernt und gegenüber sitzenden Mann entwerten lassen müsse…ich mein: So schafft man natürlich auch Arbeitsplätze.

Parken

Oktober 1, 2008

Sehr interessantes Thema. Prinzipiell ist zu sagen, dass es zu wenige Parkplätze gibt. Zudem sollte man sich nie selbst auf die Suche nach einem irgendwo am Straßenrand machen, denn: So schnell man diesen Platz auch gefunden hat, so schnell ist das Auto samt Inhalt auch von dort verschwunden, gemeint ist: geklaut. Deswegen lässt man sich von einem der hunderte Platzanweisern zu einem, für das jeweilige Auto viel zu kleinen, Parkplatz leiten, quetscht sich zwischen die anderen Parkenden und atmet während des Aussteigens stark aus um die Delle im Nachbarwagen möglichst klein zu halten. Dann gibt man vertrauensvoll seine Schlüssel an den Platzanweiser, auf dass dieser dein Auto nach belieben umparken kann, so dass, wie unten schon einmal erwähnt, mehrere Autoreihen nicht nur nebeneinander, sondern auch vor- und hintereinander parken können. Kommt man dann nach langem durch- die- Gegend- schlendern zurück muss man sich auf die Suche nach seinem umgeparkten Auto machen. Hat man es im Dunklen gefunden brüllt man über den gesamten Parkplatz in der Hoffnung, dass nun möglichst bald der Schlüsselträger angewatschelt kommt. Dies kann unter Umständen aber auch etwas länger dauern, da er möglicherweise gerade in einem tiefgründigen Gespräch ist, ein anderes Auto einweist/ umparkt, Kaffee trinkt oder einfach nur gerade beten muss.

Wie oben schon erwähnt sollte man sich immer mit einem Einheimischen durch die Tücken der indischen Infrastruktur hangeln, denn es kann passieren, dass gestern noch dagewesene Parkplätze heute spurlos verschwunden sind. So sind wir letztens das gesamte Red Fort dreimal abgefahren (hat ungefähr eine Länge von schätzungsweise zwei Kilometern) und es gab auf der gesamten Breite nicht einen einzigen Parkplatz.

Luxuriöser sind da die Parkhäuser der Malls. In einem Mallparkhaus wird vor der Einfahrt erst einmal das gesamte Auto gescannt. Nach Bomben. Vorne wird ein Spiegel untergeschoben, hinten wird der Kofferraum durchsucht. Nach belieben wird gleichzeitig der Fahrer noch mit einem Beep-Ding kontrolliert und ist dann alles in Ordnung, hat man Zugang zum Mallparkhaus. Vor den Schranken befinden sich, wie hierzulande auch, Ticketautomaten. Einziger Unterschied: Der Ticketautomat steht nicht allein da. Um ihn herum findet man mindestens noch zwei Inder. Ein Inder ist dafür da den Knopf zu drücken, der ein Ticket anfordert, der andere dazu das Ticket zu entnehmen und es einem durch das geöffnete Fenster zu reichen. Je nach Stimmung können auch noch mehr Inder da herumstehen, die einem Werbezettelchen andrehen oder einfach nur Mittagspause haben. Hat man das Ticket, öffnet sich die Schranke. Nun sucht man nicht wie einem gewöhnlichen deutschen Parkhaus nach einem Parkplatz seiner Wahl, sondern man wird um jede noch so kleine Ecke von einem Lotsen gelotst, bis man am Ende eines langen Weges auf den letzten Lotsen trifft, der einem den finalen Platz zuweist. Im Gegensatz zu den Straßenparkplatzanweisern verlangen diese Lotsen jedoch kein Geld.

bomb blast in delhi

September 18, 2008

Heute wollten wir den Sehenswürdigkeiten Delhis unsere Aufmerksamkeit widmen und so machten wir uns gegen 14 Uhr auf aus Gurgaon nach Delhi. Auf dem Weg sammelten wir einen Freund ein und fuhren dann direkt zum Central Park um dort einen Parkplatz zu suchen.

Das besondere an den Parkplätzen hier ist, dass man die Autoschlüssel dem „Parkplatzwart“ gibt und dieser so mehrere Reihen von Autos hintereinander parken kann und falls einer der Zugeparkten sein Auto benötigt die später gekommenen einfach umparkt.

Die Tage hier sind heiß und feucht, sodass, sobald man das gekühlte Auto verlässt, tierisch zu schwitzen anfängt. Nun gingen wir einen Boulevard entlang, der einen Park (Central Park, Connaught’s Place) kreisförmig umgibt und wollten uns schon auf zu einem typisch-indischen Marktplatz machen, als unserem Freund, nennen wir ihn Sanjukt, einfiel, dass er unbedingt noch einen Vodafone- Shop finden muss um seine Rechnungen zu bezahlen. Diese scheint man in Indien immer bar zu bezahlen. Nichts mit Kontoeinzugsermächtigung oder Online Banking oder dergleichen. Also liefen wir den gesamten Weg und noch viel mehr wieder zurück. Durstig wie wir waren wollten wir natürlich eine Abkürzung nehmen und schlenderten durch den sich in der Mitte befindlichen Park, vorbei an Mülltonnen und einer unterirdisch angelegten Markthalle. Das war so gegen 17.45 h. Wir fanden den Vodafone- Shop, ließen uns noch von einem Händler seine neueste Errungenschaft zeigen und machten uns dann auf zu einem der bekannten Marktplätze in Delhi. Wir hatten jedoch Durst und so stoppten wir in einem der unzähligen Straßencafés. Dort gab es dann cold coffee, french fries und einen veg burger. Es gibt in Indien keine richtigen Burger ( damit meine ich die, die es bei uns gibt und die aus Rinderfleisch gemacht sind ), weil Rinder hier heilig sind und somit nicht gegessen werden. Wenn ein Rind über die Straße schlendert liegt der gesamte Verkehr still. Und wenn es sich dann noch mit all seinen Rinderfreunden entscheidet auf einer Hauptverkehrsstraße ein Nickerchen zu halten hat man einfach mal Pech gehabt. Burger gibt es in Indien also mit Lammfleisch. Bei dem Snack eröffnete uns Sanjukt, dass er gestern gekündigt habe und dass er uns nächste Woche vielleicht ganz Delhi und Umgebung zeigen könne, vorausgesetzt das Gespräch mit seinem Chef am Montag verliefe wie geplant. Kündigungsgrund war eine Vorverlegung der Arbeitszeit auf fünf Uhr morgens. (Viele Menschen hier sind von amerikanischen Firmen angestellt. So sind die fast alle Service Center und andere Call Center der Amis in Indien. Da die Zeitverschiebung so um die sieben Stunden beträgt müssen somit die Mitarbeiter, die in besagten Call Centern arbeiten nachts arbeiten um für die amerikanische Konsumgesellschaft ansprechbar zu sein. Dieses Schicksal hat nun auch Sanjukt ereilt- es gefiel ihm nicht- er kündigte). Auf die Frage hin, was er denn nun machen wolle antwortete er „Das Schicksal wird schon wissen was es mit mir vorhat“ und lächelte. „Wie das Schicksal wird es schon wissen?“-„Glaubst du nicht ans Schicksal, Zoe?“-„Nein. Ich glaube jemand kann mal mehr oder weniger Glück haben aber ich glaube nicht, dass alles in deinem Leben schon vorbestimmt ist.“ Er lächelte wieder und neigte den Kopf zur Seite. „Nenn es wie auch immer du möchtest“. Wir gingen. Wir wollten zu einem der großen Basare Delhis, doch als wir ein riesiges, rötlich schimmerndes Gebäude sahen, in dem ausschließlich indische Waren verkauft wurden konnten wir nicht umhin als mal einen Bummel hindurch zu machen. Es war umwerfend. Alles schimmerte und funkelte wie in 1001 Nacht. Sämtliche Gottheiten waren dort versammelt, es gab typische indische Möbel, Lampen, Accessoires, Wandschmuck, Tee.

Man konnte indische Hochzeitskleider bestaunen und anprobieren, es gab Schmuck in Hülle und Fülle und auch an mehr oder weniger kitschigen Souvenirs mangelte es nicht. Auch gab es wunderschöne Hemden (das fällt mir in diesem Zusammenhang nur ein, weil ich letztens in Berlin mit meinem Paps auf der Suche nach anschaulichen Männerhemden war und es keine gab). Kurz gesagt: Ich befand mich in einem auf riesigen vier Etagen ausgedehntem Shopping-Paradies. Wir schlenderten verträumt hindurch und nahmen am Ende unseres Rundganges in einem Café im Obergeschoss statt. In gastronomischen Einrichtungen hier gibt es irgendwo immer einen Fernseher und so sahen wir gerade den hell erleuchteten, mit Menschenmassen gefüllten von Polizei- und Feuerwehrautos überlaufenen Central Park, als auch unsere Telefone wie wild zu bimmeln begannen. „You ok?“- „Yeah, sure. Just having a cup of cold coffee with ice cream“- „Good. There have been 3 bomb blasts in the centre of Delhi”. . . Stille. Wir schauten auf die Fernsehbildschirme. Plötzlich fing unserer Nachbar an zu erzählen. „Ich war gerade in diesem unterirdischen Markt im Central Park. Und gerade als ich wieder nach oben gekommen bin hörte ich hinter mir einen tierischen Knall und eine Druckwelle. Das muss die Bombe gewesen sein“

Wie wir in der nächsten halben Stunde feststellten war es eine Bombenserie. Es explodierten 5 Bomben innerhalb von 45 Minuten. Zwei davon explodierten 18.30 h in Mülltonnen des Central Park, die wir nur eine dreiviertel Stunde zuvor passiert hatten.

Auf dem Rückweg versuchten wir uns so schnell wie möglich durch die überfüllten Straßen Delhis zu kämpfen. Im Auto war es still. Doch dann erklang vom Rücksitz Sanjukts Stimme. „So Zoe, you don’t believe in destiny?!“

Die gleiche Frage hatte ich mir auch gerade gestellt.

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