Einkaufen
Oktober 1, 2008
Es gibt zwei Möglichkeiten einzukaufen: Entweder man besucht die vollen, engen Basare, oder man geht in die hochmodernen, riesigen Malls. Auf Basaren kann man handeln. Die Qualität der Waren ist fraglich und besucht man sie tagsüber hat man kaum eine Chance bis zum jeweiligen Warenstand vorzudringen geschweige denn gegen die lauten, leiernden Stimmen der anderen kaufwütigen Anwesenden anzukommen. In Indien muss man sehr aggressiv sein. Sei es beim Autofahren, beim Anstehen in einer Schlange, im Wartezimmer eines Arztes oder beim Warten auf eine Umkleidekabine. Zollt man den in Deutschland üblichen „Diskretionsabstand“ oder wartet man auch nur bis der Vordermann den jeweiligen Ort in gebührendem Abstand verlassen hat, hat man verloren! Sobald der Vorgänger auch nur andeutet, dass er bereit ist zu gehen, sei es durch eine veränderte Fußstellung oder das Knirschen beim Hervorschieben eines Riegels, muss man ohne zu zögern sich auf den Ort des Begehrens stürzen um wenigstens eine geringe Chance zu haben als nächster dran zu sein. Böse, abwertende Blicke, Kraftausdrücke und Ellenbogeneinsatz können zum Erreichen des Zieles behilflich sein.
Geht man in die riesigen Einkaufszentren zum Shoppen findet man weitere Besonderheiten. Zum einen passiert man beim Betreten des Einkaufszentrums die von den Flughäfen bekannten „Beeper“. Sie sollen vor Mitbringen von Waffen oder Einschmuggeln von Bomben schützen. Tun sie aber nicht. Nicht, weil sie nicht piepen, sondern weil das Securitypersonal jegliche Pieptöne ignoriert. Vor allem bei Frauen. So piept das Ding jedes mal wenn ich da durch gehe wie verrückt und ich schaue jedes Mal fragend zu den Security- Typen rüber, aber es passiert nix. Also schlendere ich als eventueller Märtyrer genüsslich durch die Einkaufspassage.
Hat man sich dann entschieden in einen der unzähligen Läden etwas käuflich zu erwerben, geht das nächste Prozedere los. Man kauft nicht einfach nur die Ware, bekommt sie eingepackt und geht. Nein, weit gefehlt! Man kauft eine Ware und bekommt sie eingepackt und zusätzlich zwei Kassenzettel. Sobald man dann versucht den Laden zu verlassen wird man gestoppt als sei man ein Schwerverbrecher, denn: man hat vergessen nach der Zahlungsabwicklung auf die gegenüberliegende Seite des Ladens zu gehen um dort noch einmal die Waren vor einem weiteren Security- Typen auszupacken, mit dem Kassenzettel abzugleichen, einen Kassenzettel dazulassen und erst dann den Laden zu verlassen.
Als wir letztens in das Taj Mahal Museum gehen wollten passierte etwas ähnliches. Ich ging durch die Eingangstür. Am Ende der Eingangstür saßen beidseitig zwei Männer und grinsten mich an. Ich sagte ich wolle Eintrittskarten kaufen. Der eine gab mir ein blaues Abrisszettelchen woraufhin ich mich munter ins Museum stürzen wollte, doch plötzlich hörte ich hinter mir wildes Geschrei. Ich drehte mich um und sah in die lächelnden Gesichter der beiden sich gegenübersitzenden Männer. Nun wies der, bei dem ich das blaue Abrisszettelchen gekauft hatte darauf hin, dass ich diesen doch bitte bei dem anderen, 1m-entfernt und gegenüber sitzenden Mann entwerten lassen müsse…ich mein: So schafft man natürlich auch Arbeitsplätze.
Parken
Oktober 1, 2008
Sehr interessantes Thema. Prinzipiell ist zu sagen, dass es zu wenige Parkplätze gibt. Zudem sollte man sich nie selbst auf die Suche nach einem irgendwo am Straßenrand machen, denn: So schnell man diesen Platz auch gefunden hat, so schnell ist das Auto samt Inhalt auch von dort verschwunden, gemeint ist: geklaut. Deswegen lässt man sich von einem der hunderte Platzanweisern zu einem, für das jeweilige Auto viel zu kleinen, Parkplatz leiten, quetscht sich zwischen die anderen Parkenden und atmet während des Aussteigens stark aus um die Delle im Nachbarwagen möglichst klein zu halten. Dann gibt man vertrauensvoll seine Schlüssel an den Platzanweiser, auf dass dieser dein Auto nach belieben umparken kann, so dass, wie unten schon einmal erwähnt, mehrere Autoreihen nicht nur nebeneinander, sondern auch vor- und hintereinander parken können. Kommt man dann nach langem durch- die- Gegend- schlendern zurück muss man sich auf die Suche nach seinem umgeparkten Auto machen. Hat man es im Dunklen gefunden brüllt man über den gesamten Parkplatz in der Hoffnung, dass nun möglichst bald der Schlüsselträger angewatschelt kommt. Dies kann unter Umständen aber auch etwas länger dauern, da er möglicherweise gerade in einem tiefgründigen Gespräch ist, ein anderes Auto einweist/ umparkt, Kaffee trinkt oder einfach nur gerade beten muss.
Wie oben schon erwähnt sollte man sich immer mit einem Einheimischen durch die Tücken der indischen Infrastruktur hangeln, denn es kann passieren, dass gestern noch dagewesene Parkplätze heute spurlos verschwunden sind. So sind wir letztens das gesamte Red Fort dreimal abgefahren (hat ungefähr eine Länge von schätzungsweise zwei Kilometern) und es gab auf der gesamten Breite nicht einen einzigen Parkplatz.
Luxuriöser sind da die Parkhäuser der Malls. In einem Mallparkhaus wird vor der Einfahrt erst einmal das gesamte Auto gescannt. Nach Bomben. Vorne wird ein Spiegel untergeschoben, hinten wird der Kofferraum durchsucht. Nach belieben wird gleichzeitig der Fahrer noch mit einem Beep-Ding kontrolliert und ist dann alles in Ordnung, hat man Zugang zum Mallparkhaus. Vor den Schranken befinden sich, wie hierzulande auch, Ticketautomaten. Einziger Unterschied: Der Ticketautomat steht nicht allein da. Um ihn herum findet man mindestens noch zwei Inder. Ein Inder ist dafür da den Knopf zu drücken, der ein Ticket anfordert, der andere dazu das Ticket zu entnehmen und es einem durch das geöffnete Fenster zu reichen. Je nach Stimmung können auch noch mehr Inder da herumstehen, die einem Werbezettelchen andrehen oder einfach nur Mittagspause haben. Hat man das Ticket, öffnet sich die Schranke. Nun sucht man nicht wie einem gewöhnlichen deutschen Parkhaus nach einem Parkplatz seiner Wahl, sondern man wird um jede noch so kleine Ecke von einem Lotsen gelotst, bis man am Ende eines langen Weges auf den letzten Lotsen trifft, der einem den finalen Platz zuweist. Im Gegensatz zu den Straßenparkplatzanweisern verlangen diese Lotsen jedoch kein Geld.
bomb blast in delhi
September 18, 2008
Heute wollten wir den Sehenswürdigkeiten Delhis unsere Aufmerksamkeit widmen und so machten wir uns gegen 14 Uhr auf aus Gurgaon nach Delhi. Auf dem Weg sammelten wir einen Freund ein und fuhren dann direkt zum Central Park um dort einen Parkplatz zu suchen.
Das besondere an den Parkplätzen hier ist, dass man die Autoschlüssel dem „Parkplatzwart“ gibt und dieser so mehrere Reihen von Autos hintereinander parken kann und falls einer der Zugeparkten sein Auto benötigt die später gekommenen einfach umparkt.
Die Tage hier sind heiß und feucht, sodass, sobald man das gekühlte Auto verlässt, tierisch zu schwitzen anfängt. Nun gingen wir einen Boulevard entlang, der einen Park (Central Park, Connaught’s Place) kreisförmig umgibt und wollten uns schon auf zu einem typisch-indischen Marktplatz machen, als unserem Freund, nennen wir ihn Sanjukt, einfiel, dass er unbedingt noch einen Vodafone- Shop finden muss um seine Rechnungen zu bezahlen. Diese scheint man in Indien immer bar zu bezahlen. Nichts mit Kontoeinzugsermächtigung oder Online Banking oder dergleichen. Also liefen wir den gesamten Weg und noch viel mehr wieder zurück. Durstig wie wir waren wollten wir natürlich eine Abkürzung nehmen und schlenderten durch den sich in der Mitte befindlichen Park, vorbei an Mülltonnen und einer unterirdisch angelegten Markthalle. Das war so gegen 17.45 h. Wir fanden den Vodafone- Shop, ließen uns noch von einem Händler seine neueste Errungenschaft zeigen und machten uns dann auf zu einem der bekannten Marktplätze in Delhi. Wir hatten jedoch Durst und so stoppten wir in einem der unzähligen Straßencafés. Dort gab es dann cold coffee, french fries und einen veg burger. Es gibt in Indien keine richtigen Burger ( damit meine ich die, die es bei uns gibt und die aus Rinderfleisch gemacht sind ), weil Rinder hier heilig sind und somit nicht gegessen werden. Wenn ein Rind über die Straße schlendert liegt der gesamte Verkehr still. Und wenn es sich dann noch mit all seinen Rinderfreunden entscheidet auf einer Hauptverkehrsstraße ein Nickerchen zu halten hat man einfach mal Pech gehabt. Burger gibt es in Indien also mit Lammfleisch. Bei dem Snack eröffnete uns Sanjukt, dass er gestern gekündigt habe und dass er uns nächste Woche vielleicht ganz Delhi und Umgebung zeigen könne, vorausgesetzt das Gespräch mit seinem Chef am Montag verliefe wie geplant. Kündigungsgrund war eine Vorverlegung der Arbeitszeit auf fünf Uhr morgens. (Viele Menschen hier sind von amerikanischen Firmen angestellt. So sind die fast alle Service Center und andere Call Center der Amis in Indien. Da die Zeitverschiebung so um die sieben Stunden beträgt müssen somit die Mitarbeiter, die in besagten Call Centern arbeiten nachts arbeiten um für die amerikanische Konsumgesellschaft ansprechbar zu sein. Dieses Schicksal hat nun auch Sanjukt ereilt- es gefiel ihm nicht- er kündigte). Auf die Frage hin, was er denn nun machen wolle antwortete er „Das Schicksal wird schon wissen was es mit mir vorhat“ und lächelte. „Wie das Schicksal wird es schon wissen?“-„Glaubst du nicht ans Schicksal, Zoe?“-„Nein. Ich glaube jemand kann mal mehr oder weniger Glück haben aber ich glaube nicht, dass alles in deinem Leben schon vorbestimmt ist.“ Er lächelte wieder und neigte den Kopf zur Seite. „Nenn es wie auch immer du möchtest“. Wir gingen. Wir wollten zu einem der großen Basare Delhis, doch als wir ein riesiges, rötlich schimmerndes Gebäude sahen, in dem ausschließlich indische Waren verkauft wurden konnten wir nicht umhin als mal einen Bummel hindurch zu machen. Es war umwerfend. Alles schimmerte und funkelte wie in 1001 Nacht. Sämtliche Gottheiten waren dort versammelt, es gab typische indische Möbel, Lampen, Accessoires, Wandschmuck, Tee.
Man konnte indische Hochzeitskleider bestaunen und anprobieren, es gab Schmuck in Hülle und Fülle und auch an mehr oder weniger kitschigen Souvenirs mangelte es nicht. Auch gab es wunderschöne Hemden (das fällt mir in diesem Zusammenhang nur ein, weil ich letztens in Berlin mit meinem Paps auf der Suche nach anschaulichen Männerhemden war und es keine gab). Kurz gesagt: Ich befand mich in einem auf riesigen vier Etagen ausgedehntem Shopping-Paradies. Wir schlenderten verträumt hindurch und nahmen am Ende unseres Rundganges in einem Café im Obergeschoss statt. In gastronomischen Einrichtungen hier gibt es irgendwo immer einen Fernseher und so sahen wir gerade den hell erleuchteten, mit Menschenmassen gefüllten von Polizei- und Feuerwehrautos überlaufenen Central Park, als auch unsere Telefone wie wild zu bimmeln begannen. „You ok?“- „Yeah, sure. Just having a cup of cold coffee with ice cream“- „Good. There have been 3 bomb blasts in the centre of Delhi”. . . Stille. Wir schauten auf die Fernsehbildschirme. Plötzlich fing unserer Nachbar an zu erzählen. „Ich war gerade in diesem unterirdischen Markt im Central Park. Und gerade als ich wieder nach oben gekommen bin hörte ich hinter mir einen tierischen Knall und eine Druckwelle. Das muss die Bombe gewesen sein“
Wie wir in der nächsten halben Stunde feststellten war es eine Bombenserie. Es explodierten 5 Bomben innerhalb von 45 Minuten. Zwei davon explodierten 18.30 h in Mülltonnen des Central Park, die wir nur eine dreiviertel Stunde zuvor passiert hatten.
Auf dem Rückweg versuchten wir uns so schnell wie möglich durch die überfüllten Straßen Delhis zu kämpfen. Im Auto war es still. Doch dann erklang vom Rücksitz Sanjukts Stimme. „So Zoe, you don’t believe in destiny?!“
Die gleiche Frage hatte ich mir auch gerade gestellt.
Einmal Blasen,bitte!
Juli 21, 2008
Es ist ja allgemein bekannt, dass eine der Lieblingsportarten des Deutschen im Urlaub und am Strand der Volleyball ist. Manche beherrschen es gut, manche weniger gut. Unsere Reisegruppe gehörte zu den erstgenannten.
Wir waren immer noch auf den idyllischen Malediven, genossen die Sonne, das Wasser und das süße Nichtstun, als uns hinter einem Busch ein Einheimischer auflauerte. „Pssst! Psssssst!“, tönte es aus dem Busch. Wir drehten uns schlagartig um. „Ich habe gesehen: Ihr habt heute am Strand Volleyball gespielt“ Wir nickten. „Habt ihr vielleicht Lust mal ein Trainingsspiel gegen unsere Inselauswahl zu machen?“ Wir nickten weiter. „Gut. Dann treffen wir uns morgen um drei auf unserem Platz. Da müsst ihr ein bisschen ins Inselinnere laufen. Wir dürfen nicht direkt am Strand spielen“ Gesagt, getan. Nachdem der Vormittag wie im Fluge verstrichen war machten wir uns in leichter Bekleidung auf ins Inselinnere. Als unsere Gruppe den Sportplatz erreicht hatte waren wir verwundert. Die Einheimischen trugen alle Sportschuhe. „Komische Typen! Seit wann spielt man auf Sand denn mit Schuhen. Na auf die ist die Beach- Welle wohl noch nicht übergeschwappt“, frotzelten wir, aber der Spott hielt nicht lange an. Wir waren mit zehn Spielern gekommen und allein schon nach dem ersten Satz fiel die Hälfte unserer Mannschaft verletzungsbedingt aus. Warum? Sagen wir es mal so: Die Einheimischen hatten schon ihren Grund dort mit Turnschuhen zu spielen. Die Sandschicht des Platzes war nämlich gut und gerne nur zwei Zentimeter dick und darunter befand sich steinharter Boden, sodass die Hälfe unseres Teams nach dem ersten Satz keinen Schritt mehr ohne Schmerzen wagen konnte, weil sich an der Fußsohle übelste Blasen gebildet hatten.
An diesem Tag gingen wir alle humpelnd und unter dem Gelächter der Inselauswahl zurück in unsere Bungalows.
Ein Ausflug, eine Nacht und ein nachtblinder Taxifahrer
Juli 21, 2008
Wir waren angekommen. Obwohl man die Landebahn vor lauter herumfliegenden blauen Mülltüten kaum sehen konnte waren wir sicher auf ägyptischen Boden gelandet. Mit einem klimatisierten Bus wurden wir dann ins Touristendorf Hurghada gefahren.
Den Strand in Hurghada konnte man kaum als Strand bezeichnen, sondern vielmehr als grobkörnige Schuttablagerungen auf festgetretenem, betonhartem Staub und so ließ sich das schnellere Bewegen auf diesem nur mit festem Schuhwerk blasenfrei überstehen. Auch die angepriesene Unterwasserwelt war enttäuschend. Die nah gelegenen Korallenriffe wurden durch Schnorchler und Tauchschüler völlig demontiert und wirkten farblos und im Sterben liegend.
Aber das ist nicht die Geschichte, von der ich hier erzählen möchte.
Nach einer Woche Rumfaulenzen kamen wir auf die Idee doch mal einen kulturellen Ausflug zu unternehmen. Tal der Könige und ein paar Tempel in Luxor und Umgebung. Wir hatten Schwaben kennengelernt, die ja, nach allem was man so hört, ziemlich geizig sein sollen. Die Preise von organisierten Touren waren aber auch für Nicht-Schwabenländler unverschämt hoch und so verwarfen wir die fixe Idee, bis wir auf einen Taxifahrer trafen, der uns für die Hälfte des Preises herumkutschieren wollte. Da schlugen wir selbstverständlich zu und schon am nächsten Tag befanden wir uns zusammen mit den Schwaben in einer Reisebus- Taxi- Karawane nach Luxor. Nach circa einer Stunde kamen wir an eine Polizeistation, die von ihrer Gestalt her mit einer Grenzkontrolle vergleichbar war. So standen wir sinnlos inmitten von Reisebussen herum bis sich am Anfang und am Ende der Karawane die Polizeiwagen positioniert hatten und es mit Eskorte durch die von Terroristen und Grabräubern besetzten Hügellandschaften Ägyptens ging. Irgendwann kamen wir an eine weitere Art Grenzkontrolle wo der Eskortservice sich verabschiedete und wir nun auf uns allein gestellt waren. Es kam noch kurz die Ansage zu welcher Zeit sich die letzte Eskorte wieder gen Hotelheimat bewegt und wir wurden entlassen.
Als erstes wollten wir uns diesen Tempel, eingemeißelt in die Klippen und Abhänge der Berge ansehen, in dem vor ein paar Jahren dieser Terroranschlag war (genauer Name ist mir entfallen). Wir fuhren also zum Kartenverkauf lösten ein unverschämt teures Ticket und guckten uns um. Ja. Wir guckten uns um, denn man ist es ja hierzulande gewohnt, dass das, wofür man bezahlt hat auch unmittelbarer in der Nähe dessen ist, wo man es bezahlt hat. Nach fünf Minuten in- die- Gegend- glotzen machte uns der Kartenverkäufer darauf aufmerksam, dass wir noch drei Kilometer fahren müssten um unser Ziel zu erreichen. Na gut. Also wieder rein ins Taxi und losgefahren. Unserem Fahrer schien das alles wunderbar in den Kram zu passen, denn gleich neben der Straße hatte ein Bekannter von ihm doch ein Geschäft und er wollte ihm sowieso schon lange mal wieder „Hallo“ sagen und so machten wir einen Abstecher dorthin. Wir waren in einer Kombination aus Töpferei-Vasen-Ketten-Verkauf gelandet und wurden eifrig von den Inhabern betuttelt während unser Fahrer nur mal schnell „auf die Toilette“ ging. Es sei hierbei am Rande erwähnt, dass man niemals, aber auch wirklich niemals, einen Gegenstand in einem ägyptischen Geschäft länger als zehn Sekunden anschauen sollte, wenn man nicht vorhat sich in unsägliche Unkosten zu stürzen. Es passiert dann nämlich folgendes: Der Verkäufer bemerkt das Interesse und bietet den Gegenstand zum Kauf an. Man lehnt verlegen ab. Der Verkäufer schenkt es einem. Man freut sich und während man sich freut holt der Verkäufer die eigentlichen Schätze heraus, von denen man dann nicht umhin kommt aus Dank irgendetwas zu kaufen. Dabei wird man aber immer freundlichst gefragt, ob man etwas Cola trinken möchte. Bevor unser Taxifahrer von der Toilette wiederkam hatten wir ein paar Ketten und eine Vase gekauft, die Schwaben dasselbe. Es ging weiter zum Tempel. Dort angekommen stiegen wir erfreut die endlos lange Treppe herauf, kamen in den Eingangsbereich und stießen an eine Kette. Wir stießen an eine Kette, auf deren Schild geschrieben Stand „Wegen Restaurierungsarbeiten vorübergehend geschlossen“. So eine Sauerei! Als wir zurück zur Kasse gefahren waren, war dort aber keine Menschenseele mehr aufzufinden. Und so ging es weiter ins „Tal der Könige“. Wir stiegen aus dem Taxi und folgten den Schildern Richtung Eingang, als sich vor uns plötzlich ein großer, steiler Berg erhob. Zwischen dem Berg schlängelte sich eine kleine Straße, deren Verlauf man aber schon nach 20 Metern aus den Augen verlor, weil sie um den mächtigen Berg umbog. Die Luft war gefühlte 60°C und so kam es uns ganz gelegen, dass wir am Fuße des Berges eine kleine, mit Touristen vollgestopfte Bimmelbahn sahen, die uns den schweren Aufstieg erleichtern sollte. Mit der Offenbarung des Preises verwarfen wir diese Möglichkeit aber sofort und stapften zu Fuß los, was sich im Nachhinein als die einzig richtige Entscheidung herausstellte, da die „steile und lange Bergstraße, die man nach 20 Metern aus den Augen verlor, weil sie um den Berg umbog“ auch schon nach 25 Metern am Eingang zum Tal der Könige endete. Im Tal der Könige konnten wir uns anfangs nicht entscheiden, welches der Gräber denn zuerst zu betrachten sei und so schwärmten wir ziellos aus und bekamen graffitibeschmierte, vermüllte und verblasste Grabstätten vorangegangener Könige zu sehen. Enttäuschend. Damit man das Elend aber nicht dokumentieren und zu Hause zeigen kann wird für jedes einzelne Foto eine horrende Fotogebühr bezahlt- natürlich um den Erhalt und Schutz des Grabmahls zu gewährleisten- und akribischst genau auf jeden Blitz geachtet, der in den dunklen Grüften aufflimmert. Würden sie den Grabstätten so viel Aufmerksamkeit widmen wie den Fotoapparaten der Touristen hätten sie definitiv kein Problem! Da die Ägypter aber ein freundliches Volk sind, was ihre Gäste bei Laune halten möchte, erlaubt es ihnen mit Erwerb der Eintrittskarte nur durch 3 Grabstätten enttäuscht zu werden, denn alle guten und schlechten Dinge sind ja nun mal drei und so wurden wir an der vierten Grabstätte abgewimmelt und nach draußen geschickt.
Zurück auf dem Weg zum Parkplatz wurden wir von Händlern angesprochen. Sie wollten uns Vasen verkaufen. Der Schwabe ließ sich in ein Gespräch verwickeln und der Händler holte seine Vasen heraus. Das war nicht gut. Denn nun brannte das Schwabenherz durch. Der Händler bot ihm exakt die gleiche Vase an, die der Schwabe zuvor „bei dem guten alten Bekannten des Taxifahrers“ teuer erworben hatte. Nur zum Viertel des Preises.
Ich überfliege nun den Besuch des Tempels in Luxor und komme gleich zu unserer Rückfahrt. Wir kamen zu spät. Wir kamen zu spät um von der Polizeieskorte sicher durch das Gebirge zu kommen und wir kamen zu spät um vor uns die Rücklichter der Omnibusse zu sehen, die uns den Weg gen Heimat wiesen. Das wäre im normalen Leben kein Problem gewesen. In unserem jedoch schon, denn: Wir hatten einen nachtblinden Fahrer. Wenn es in Ägypten dunkel ist, dann ist es dunkel. Zappenduster. Es gibt keine Straßenlaternen. Es gibt keine Vegetation. Zeit für die rhetorische Frage: Schon mal probiert sich in der Wüste zu orientieren?! Schwierig. Irgendwie haben wir es innerhalb mehrerer Stunden dann aber doch zum anderen Checkpoint geschafft und wurden herzlich von der Nachtwache begrüßt. Kleiner kollegialer Kaffeeklatsch zwischen Taxifahrer und Wachtposten und es ging auch schon weiter. Mit Vollgas. Auf die Speedstopper (größere Erhebung der Straße um schnelleres Fahren zu unterbinden) zu. Wir flogen. Und flogen. Und flogen. Und landeten mitten im Straßengraben. Mitten in der Wüste. Nicht, dass unser nachtblinder Taxifahrer sich nach uns umgedreht hätte um zu gucken, ob wir noch lebten. Nein, er rannte hinaus und guckte, ob an seinem Auto noch alles heil war. War es aber nicht, denn die Achse war gebrochen. Irgendwie sind wir in dieser Nacht aber trotzdem noch heil im Hotel angekommen und müde in unsere Bettchen gefallen.
Guck’ mal!Ein Picasso.
Juli 11, 2008
Seichtes Meerrauschen, eine kühle Brise, schwingende Palmenblätter, türkisblaues Wasser und: ihr eigener Strandabschnitt. Sie kamen, sahen und waren begeistert von der Idylle der maledivischen Inselwelt. Das kleine Eiland, das sie für 2 Wochen ihr zuhause nennen durften trug den Namen „Kuramati” und schon bei dem Blick aus dem Flugzeugfenster waren sie von dieser wie-viele-kleine-mit-Petersilie-bestreuten-Spiegeleier-aussehenden-Inselwelt verzaubert.
Nun waren die Malediven für ihre wunderschöne Unterwasserwelt bekannt und so machte sich die Familie sofort daran ihre Schnorchel-Ausrüstung auszupacken, um das Hausriff zu erkunden. Das Schnorchelatmen hatten sie schon in der heimischen Badewanne geübt; Das antrekken der Flossen sollte kein größeres Problem darstellen. Der Vater war schon im Wasser und gut 20 Meter vom sicheren Ufer entfernt, als auch klein Marie endlich bereit war. Sie watschelte ins Meer, tauchte mit dem Köpfchen unter Wasser und rannte schreiend wieder raus. Am Ufer stand ihre Mutter und lächelte. Klein Marie stand schwer atmend und ungläubig aufs Meer starrend neben ihr. „ Da war ein Fisch … und er ist ganz schnell auf mich zugeschwommen und wollte beißen …” Die Mutter lächelte. „ Wie groß war denn der Fisch?”-„Weiß nicht”. Die Mutter setzte nun ihre Schnorchelbrille auf und ging ins Wasser um Ausschau nach dem Seeungeheuer zu halten. Nach wenigen Sekunden tauchte sie wieder mit den Worten „Ach Gott, Mariechen! Der ist ja gerade mal so groß wie deine Hand. Der hat doch viel mehr Angst vor dir als du vor ihm haben müsstest. Der kommt immer nur ganz schnell bis an deine Brille rangeschwommen, weil er dich begrüßen möchte” wieder auf. Sie lächelte immer noch und kam nun wieder aus dem Wasser heraus, um Klein Marie Geleit zu geben. Auf einmal fing sie an zu hüpfen und zu springen und rannte schnurstracks hinaus aus dem Höllenmeer. Ihre Ferse blutete. Der „nur- handgroße- viel- mehr- Angst- vor- Marie- habende”- Fisch hatte sie gebissen. Klein Marie grinste.
Nach einigen Tagen stellte sich heraus, dass der besagte Fisch dort ein Gelege hatte und dieses anscheinend nur zu verteidigen suchte. Es war ein Drückerfisch, der den edlen Namen „Picasso” trug.
