Tag des Spritzens
Juli 23, 2008
Ich habe mich heute Richtung Warschauer Straße begeben, um mich in einem “innovativem, kleinen Schmuckgeschäft” als Aushilfe vorzustellen. Man malt sich vor seinem inneren Auge vorher aus, wie dieses kleine, innovative Schmuckgeschäftchen aussehen könnte und vor meinem inneren Auge war es ein kleines Lädchen, mit allerlei niedlichem Modeschmuck und und anderen netten Accessoires, das kürzlich von Design-/Kunststudenten oder sonstig künstlerisch begabten Leuten aufgemacht wurde. Nun, die Wahrheit sah natürlich anders aus. Als ich ankam, stand ich vor einem Gothik-Schmuckladen. Die “Chefin” war eine dürre, 50-jährige Spargelstange mit Punkerschnitt und laschem Händedruck, bei der man nicht auf den ersten Blick erkannte, welchen Geschlechtes sie denn angehört, die anderen Mitarbeiter wirkten normal, wenn nicht sogar leicht verschüchtert. Mich hätte es nicht gewundert, wenn von dem “innovativen” Schmuckgeschäft eine Verbindungstür zu einem Untergrund-Tattoo-Lädchen oder einer Domina-Gruft geführt hätte. Ich habe mich natürlich möglichst schnell aus der Affäre gezogen. Als ich dann wieder sicher in der Bahn nach Hause saß, wollte ich mir besonnen ein Schlückchen Mineralwasser mit Sprudel gönnen. Ich schaute aus dem Fenster, drehte am Verschluss der Flasche und *Splash-splash* hatte ich einen halben Liter Mineralwasser auf mitten auf dem Kleid. Habe die unangenehme Situation natürlich gekonnt mit “So-tun-als-sei-nix-passiert-und-verträumt-aus-dem-Fenster-Gucken” überspielt. Als mir von einem netten Mann dann jedoch lächelnd ein Taschentuch gereicht wurde konnte ich nicht umhin mich zu bedanken und schnell mein durchtrieftes Kleid abzutupfen.
Zu Hause angekommen gab es dann Mittagessen. Eigentlich was Nettes. Mein Papa kam gerade von der Arbeit und quatschte mich schon zu, als er eine Colaflasche aufzudrehen versuchte. Nun ja. Was soll ich sagen. Auch die Cola spritzte quer über den gesamten Tisch mitten auf mich. Ich lächelte nur und meinte, dass das ja alles gar nicht so schlimm sei, schließlich hat das Kleid ja heute schon ne Dusche bekommen und ist derlei Sachen somit gewohnt.
Meine Mutter regte sich noch über die Ungeschicklichkeit meines Vaters auf (wie das bei Ehepaaren halt so üblich ist) und rührte wild im selbstkreierten Dressing herum, als auch dieses nicht drumherumkan aus der tiefen Schüssel herauszuspritzen und direkt neben den Colaflecken zu manifestieren.
Alles in allem heute also ein erfolgreicher Spritztag getreu dem Motto “Aller guten Dinge sind drei”.
Die Suche nach dem eigenen Ich
Juni 12, 2008
Manche Leute begreifen es wahrscheinlich nie: Im Leben geht es nicht darum sich zu finden, sondern sich immer wieder neu zu kreieren. Denn in der stetigen Neukreation seines eigenen Ichs steckt mehr vom wirklichen Ich als in dem, was man zu finden versucht und auf dessen Weg man zu einem Nichts verkümmert.
Der Prozess des Kreierens bedarf aber Charakter und diesen findet man heutzutage eher selten, da Personen, die sich auf der Suche nach sich selbst befinden sich bevorzugt an vorgegebenen Maßstäben wie Schönheitsidealen, IQ, Kleidungsstil anderer orientieren und so schon einen Großteil ihres Charakters aufgegeben haben und sich mehr und mehr von sich selbst entfernen. Die Frage ist natürlich, ob diese Menschen nicht glücklicher werden je weiter sie sich von ihrem wahren Ich entfernen.
Dennoch bleibt mein Leitsatz:
Life isn’t about finding yourself. Life is about creating yourself.